Es geht voran – und das ist quasi „amtlich“. Forscher der Universität Mailand belegten mit ihrer Studie*, die im September 2016 in dem Fachblatt „Annals of Oncology“ erschien, einen weltweiten Trend: Immer weniger Frauen sterben an Eierstockkrebs. Die italienische Studie basiert auf Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und betrachtet den Zeitraum der Jahre 2002 bis 2012. Innerhalb Europas reduzierte sich die Sterblichkeitsrate am stärksten in der Schweiz, nämlich um zehn Prozent!

Prophylaktische Eingriffe

Eines der wichtigsten Ziele im Zusammenhang mit dem Ovarialkarzinom bleibt die Früherkennung. Denn zum Zeitpunkt der Erstdiagnose befinden sich die meisten Patientinnen bereits in einer fortgeschrittenen Phase dieser Erkrankung. „Ein grosser Schritt nach vorn sind die neuen genetischen Tests, mit denen heute Prognosen und Therapiewahl bei Eierstockkrebs erleichtert, aber auch prophylaktische Massnahmen ergriffen werden können“, so Experte Dr. Morant. „In den letzten Jahren werden bei Patientinnen mit einer familiären Vorbelastung, wie Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2, vermehrt vorsorgliche Operationen durchgeführt.“

Wann wirkt die Chemotherapie besonders?

Weshalb ist es ebenso wichtig, mögliche genetische Ursachen einer bereits bestehenden Erkrankung an Eierstockkrebs zu erkennen? Patientinnen mit diesen Genmutationen sprechen auf bestimmte Therapien gut an, so dass hier gezielte Therapieentscheidungen erleichtert werden, zum Beispiel im Hinblick auf eine Chemotherapie: „BRCA-Mutationen haben sich als ein prädiktiver Faktor dafür bestätigt, dass eine Chemotherapie mit Platinverbindungen wirksam sein wird“, erläutert der Onkologe.

Neuartige genetische Tests

Herkömmliche genetische Tests erkennen diese vererbbaren Mutationen nur in der Keimbahn und im Blut. Neu sind die genetischen Tests am Tumor selbst, denn auch hier können die Genveränderungen entstehen. „Wir erkennen auf diese Weise heute nahezu 50 Prozent mehr dieser Mutationen als zuvor“, sagt Dr. Morant. Dieses Verfahren setzt sich zunehmend durch. „Mehrere Schweizer Pathologien wenden diese Untersuchungsmethode bereits routinemässig an, zum Beispiel in Basel, Zürich und St. Gallen“, erläutert Morant.

PARP-Erhaltungstherapie kassenpflichtig

Bei Eierstockkrebspatientinnen mit einer Mutation der Gene BRCA1 oder BRCA2 ist auch eine neuartige Therapieform besonders wirksam: die sogenannten PARP-Inhibitoren. Stark verkürzt handelt es sich hierbei um eine Strategie, mit der das Reparatursystem der Krebszellen angegriffen wird. Denn auch Krebszellen sind bei jeder Teilung schadenanfällig – und sie teilen sich nun mal besonders schnell. Um entstehende Schäden zu beheben, benötigen Krebszellen das Protein PARP. Diese Schwachstelle nutzen die PARP-Inhibitoren. Inhibitor bedeutet „Hemmer“ – die Wirkstoffe hemmen also die PARP-Proteine und führen so zum Zusammenbruch der Krebszelle. Dieses Therapieprinzip wird durch aktuelle Studien bestätigt.

Die PARP-Therapie bewies sich auch dann bei Patientinnen mit BRCA1 oder BRCA2 Mutation als wirksam, wenn es zu einem Rezidiv, also einem erneut auftretenden Ovarialkarzinom kommt. Voraussetzung für diese PARP-Erhaltungstherapie ist, dass das Rezidiv positiv auf die platinhaltige Chemotherapie reagiert. Der erste PARP-Inhibitor, der für diese Indikation im Jahr 2016 registriert wurde, ist der Wirkstoff Olaparib.

Studie: Kann PARP noch mehr?

„Es gibt eine Studie mit einem weiteren PARP-Inhibitor, Nirapamib, der auch dann Effektivität gezeigt hat, wenn keine BRCA-Mutation vorhanden war“, berichtet Dr. Morant. „Die Biomarker zeigten zwar ein besseres Ansprechen bei BRCA-mutierten Karzinomen, aber dieser PARP-Inhibitor funktioniert offensichtlich in allen Fällen mit Platinsensitivität“, führt Morant aus.

Immuntherapie: Studien machen Hoffnung

Und wie sieht es mit der Immuntherapie bei Eierstockkrebs aus? In der Immunonkologie wird ja seit Jahren grosse Hoffnung in entsprechende Antikörper gesetzt, die das körpereigene Abwehrsystem gegen die Krebszellen richten soll. 2013 kürte das Fachmagazin „Science“ die Immuntherapie sogar zum „Durchbruch des Jahres“. Deutliche Fortschritte hat es in der Praxis tatsächlich beispielsweise beim schwarzen Hautkrebs, bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs gegeben. Doch bei den meisten Krebsformen wird es noch Jahre dauern, bis von einem wirklichen Durchbruch die Rede sein kann. Dr. Morant sieht zumindest Anzeichen für einen positiven Ausblick: „Mehrere kleine, frühe Studien zeigen ein gewisses Ansprechen von Ovarialkarzinomen auf Antikörper. Ob sich dies in der Klinik durchsetzen wird, muss die Zukunft zeigen“.

Dr. Kai Kaufmann
Freier Journalist