Ziel jeder Eierstockkrebsoperation ist die restlose Entfernung des Tumorgewebes. Doch selbst wenn dies geglückt scheint, sind in dreimonatigen Abständen Kontrolluntersuchungen notwendig. «Über wie viele Jahre sie durchgeführt werden, ist nicht klar definiert. Das hängt von der Einschätzung des behandelnden Arztes ab», sagt der Gynäkologe Dr. Atassi.

Wie sehen die Kontrollen aus?

Die üblichen Kontrolluntersuchungen beginnen mit der Anamnese, der Befragung der Patientin. Nun folgt die klinische Untersuchung. «Sie besteht aus einer gynäkologischen Spiegel- und Tastuntersuchung sowie einem Ultraschall des kleinen Beckens, also der transvaginalen Sonografie», erklärt Dr. Atassi. Hierbei wird der Ultraschallkopf durch die Scheide eingeführt. Hinzu können eine rektale Untersuchung und ein Ultraschall des Bauches kommen. «Falls die Patientin einen vergrösserten Bauchumfang hat, wird mit einem Schallkopf auf der Bauchfläche geschaut, ob sich Freiflüssigkeit gebildet hat», führt der Gynäkologe aus.

Tumormarker checken?

Wenn keine besonderen Symptome aufgetreten sind, wird der Tumormarker CA-125 in der Regel nicht bestimmt. Ein erhöhter Wert des Tumormarkers kann ein Hinweis darauf sein, dass sich erneut ein Tumor bildet. «Man hat sich in den letzten Jahren eher gegen die routinemässige Bestimmung von CA-125 in der Nachsorge entschieden, weil sie keinen prognostischen Nutzen hat», erklärt Dr. Atassi. Ob man also in der Nachsorge diesen Wert kennt oder nicht: Es hat keinen lebensverlängernden Nutzen. «Allerdings kann die Bestimmung von CA-125 bei sehr besorgten Patientinnen begründet sein. Manchmal kann man damit ihre Ängste mindern und so die Lebensqualität verbessern», weiss Dr. Atassi.

Rezidiv-Risiko

Die Sorge, der Krebs könnte zurückkommen, begleitet wohl fast jede Patientin nach einer OP. «Bei den meisten Frauen wird das Ovarialkarzinom ja erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Ihr Risiko für ein Rezidiv hängt von der OP ab», sagt der Gynäkologe. «Wenn nach der OP kein Tumorrest verbleibt, ist die Prognose für ein symptomfreies Überleben für die nächsten fünf Jahre sehr gut. Verbleibt hingegen ein Tumorrest, ist die Prognose deutlich schlechter für ein symptomfreies Überleben – was aber nicht automatisch ein geringeres Gesamtüberleben bedeuten muss.» Eine Therapie bei einem Psychoonkologen kann helfen, mit der Gesamtsituation umzugehen.

Mögliche Folgen einer Operation

Zu den häufigsten Problemen nach einer OP zählen der Lymphstau und das Kurzdarmsyndrom. Hatte sich der Krebs schon weiter ausgebreitet, ist die OP meist radikal – sie berührt also auch angrenzende empfindliche Organe. «In diesen Fällen entfernt man z. B. Teile des Darms, die befallen sind. Die Folge kann ein sehr kurzer Darm sein. Die Patientinnen haben dann sehr starke Durchfälle und sind deshalb häufig geschwächt», erklärt Dr. Atassi. Manchmal pendelt sich das nach wenigen Monaten wieder ein, manchmal bleibt es auch so.»
Wurden im Bauch Lymphknoten entfernt, kann sich die Lymphe stauen. Mögliche Folgen: «Es kann zu Lymphödemen in den Beinen kommen. Die Beschwerden können dann bis hin zu Mobilitätseinschränkungen gehen», so Atassi. «Es kann auch zu einem Lymphstau innerhalb der Bauchhöhle kommen, wir nennen das Lymphozelen. Sie können sehr schmerzhaft und Grund für eine neue OP sein.»
Waren Frauen bei der OP noch vor der Menopause, werden sie nun schlagartig in die Wechseljahre versetzt. Es ist dann eine Östrogensubstitution nötig.

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Die üblichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind Haarausfall, Übelkeit, starke Müdigkeit und eine erhöhte Infektgefährdung. «Bei der Therapie von Eierstockkrebs kommt immer auch der Wirkstoff Taxan zum Einsatz. Mögliche Folgen sind ein Kribbeln in den Fingerkuppen, Gefühlsverlust und Gangunsicherheit», so Dr. Atassi. «Meist verschwindet diese Neurotoxizität nach drei, vier Monaten wieder. Ansonsten werden die Symptome medikamentös behandelt.» Reha-Massnahmen können bei Neurotoxizität und anderen Symptomen helfen und den Allgemeinzustand verbessern.

Antikörpertherapie

Die Antikörpertherapie ist relativ nebenwirkungsfrei, selten treten schwere Nebenwirkungen auf. «Zu ihren Risiken gehört, dass die Nierenfunktion eingeschränkt werden kann, was u. a. Bluthochdruck zur Folge hat», so Dr. Atassi.

Palliative Therapie

Ist eine Patientin nicht mehr zu operieren, werden palliative Massnahmen angewandt, das heisst: «Man strebt keine Verringerung der Tumormasse mehr an, sondern versucht, die Symptome zu lindern», erklärt Dr. Atassi. Hierzu können Lymphdrainagen, Tabletten zur Entwässerung und das Verkleben von Rippen- und Lungenfell gehören, damit sich nicht erneut Wasser bildet. «Diese Patientinnen benötigen alle eine weitere Chemotherapie», sagt Dr. Atassi.

Christiane Enders
Freie Journalistin
02.07.2014