Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 600 Frauen an Eierstockkrebs. Das sind wenige und viele zugleich. Denn: Das Lebenszeitrisiko, irgendwann einmal daran zu erkranken, liegt bei «nur» 1,5 Prozent. «Zum Glück ist es eine sehr seltene Erkrankung», sagt Dr. Hauser. Dennoch kommen von den bösartigen Krebserkrankungen nur Brust- und Gebärmutterkrebs häufiger vor. Umso wichtiger ist es, gut über den Eierstockkrebs informiert zu sein: um Risiken zu erkennen, um Warnsignale zu verstehen oder einfach um Angst mit Wissen zu begegnen. Denn jede Frau kann an diesem Krebs erkranken, auch wenn das Durchschnittsalter für eine Erkrankung bei über 60 Jahren liegt. Mehr dazu können Sie unter «Risikofaktoren» lesen.

Eierstockkrebs wird nur selten früh erkannt, weil erste Symptome wie etwa unerklärbare, zunehmende Blähungen und Bauchschmerzen unspezifisch sind, also viele Ursachen haben können. Weil eine Früherkennung so selten ist, sind die Heilungs- und langfristigen Überlebenschancen im Vergleich zu anderen gynäkologischen Krebserkrankungen geringer. «Die meisten Patientinnen kommen relativ spät zu uns, nämlich erst, wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist. Häufig ist dann z. B. der Bauchumfang schon sehr viel grösser geworden, weil sich bereits ‹Bauchwasser› als Reaktion auf die bösartigen Zellen gebildet hat», sagt Chefarzt Dr. Hauser, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe.

Auffällige Symptome sollten also immer Anlass zur Abklärung bei einem Gynäkologen sein. «Wir wünschen uns natürlich, dass wir diese Erkrankung bei Frauen möglichst früh entdecken, damit wir schnell und gezielt helfen können», sagt Dr. Hauser. Besondere Vorsorgeuntersuchungen für Eierstockkrebs sind allerdings nicht vorhanden und empfohlen, weil bislang kein entsprechender Nutzen nachgewiesen werden konnte. Daher sind die normalen jährlichen gynäkologischen Untersuchungen umso wichtiger – auch nach den Wechseljahren (Menopause)!

Ist eine Patientin an Eierstockkrebs erkrankt, bestehen die ersten Therapieschritte in der Regel aus einer Operation der betroffenen Organe mit Entfernung der Absiedelungen, einer Chemotherapie sowie eventuell einer zusätzlichen Antikörpertherapie. Da diese Krebserkrankung bei etwa zwei Drittel aller Patientinnen trotz erfolgter Therapien später nochmals auftritt, ist die Nachsorgebetreuung mit regelmässigen Kontrolluntersuchungen wichtig. Beim Wiederauftreten muss eine erneute Behandlung (Rezidivbehandlung) besprochen und geplant werden. Ein Psychoonkologe – ein Therapeut mit onkologischer Zusatzausbildung – kann in dieser Zeit und Situation eine grosse Hilfe sein. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Interview mit einer Psychoonkologin.

Die Therapiemöglichkeiten von Eierstockkrebs konnten in den letzten Jahren verbessert werden. Zusätzlich wächst das Verständnis von möglichen Ursachen wie etwa der genetischen Vorbelastung. Wird eine Genmutation frühzeitig erkannt und eine vorbeugende Operation mit Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter mittels Bauchspiegelung durchgeführt, kann das Risiko für eine Erkrankung drastisch gesenkt werden. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter «Prävention».

Welchen Anlass zur Sorge es hinsichtlich einer möglichen Erkrankung an Eierstockkrebs auch geben mag, ein möglichst früher Besuch bei einem Gynäkologen ist dringend empfohlen. «Wenn Patientinnen aufgrund ihrer Symptome unsicher sind, nehmen wir das immer sehr ernst. Ganz häufig kann man dann auch beruhigen und den Patientinnen die Ängste nehmen», versichert Dr. Hauser.

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
02.07.2014