«Spätestens vier Wochen nach der Operation sollte mit der Chemotherapie begonnen werden», empfiehlt Professor Dr. Andreas Günthert, Chefarzt in der Neuen Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals. «Sie wird im Regelfall in sechs Zyklen in einem Abstand von drei Wochen ambulant verabreicht. Die Dosierung erfolgt individuell nach Körpergrösse, Gewicht und Nierenfunktion.» Vor jeder Gabe werden zudem Blutkontrollen durchgeführt. Für die Verabreichung der Chemotherapeutika wird den Patientinnen meist ein sogenannter Port gelegt – ein Katheter, der in örtlicher Betäubung operativ in eine grosse Vene vorwiegend im Brustbereich in der Nähe des Schlüsselbeins unter die Haut eingelegt wird. So kann für die Verabreichung der Chemotherapeutika problemlos punktiert werden. Nach Abschluss der Therapie wird der Port wieder entfernt.

Die Standardtherapie: Paclitaxel und Carboplatin

Die weltweit gültige Standardtherapie der Erstbehandlung beim Eierstockkrebs besteht aus der Kombination eines Taxans, vorwiegend Paclitaxel, und einer Platinverbindung, meist Carboplatin. Unter gewissen Umständen ist dabei eine wöchentliche Gabe des Taxans von Vorteil. Diese Kombination ist allerdings nicht bei allen Patientinnen zwingend erforderlich. In ausgewählten Fällen kann auch die alleinige Gabe von Carboplatin ausreichend sein. Unter bestimmten Bedingungen wird zusätzlich der Antikörper Bevacizumab empfohlen. Das Therapiekonzept wird für jede Patientin individuell in der Tumorkonferenz erarbeitet.

Präoperative Chemotherapie

Bei Patientinnen mit sehr weit fortgeschrittenem Tumorleiden bzw. sehr schlechtem Allgemeinzustand kann es sinnvoll sein, drei Zyklen Chemotherapie vor der OP und drei Zyklen danach zu verabreichen. Dadurch lassen sich primär inoperable Patientinnen meist doch noch gut operieren. «Voraussetzungen vor der primären Chemotherapie sind dabei aber immer eine vorherige Untersuchung des Bauchraumes und die Entnahme einer Gewebeprobe, um die korrekte Diagnose zu sichern», betont Professor Günthert.

Wirkung und Nebenwirkung der Taxane

Die Wirkung der Taxane beruht darauf, dass sie die Teilung der Zellen stören und damit das Zellwachstum hemmen, bis die Zellen schliesslich absterben. Die Substanz wirkt auf alle sich schnell teilenden Zellen – also die Tumorzellen – ein und zerstört diese. Da sich aber auch Haarfollikel-, Haut- und Schleimhautzellen sowie Knochenmarkzellen rasch teilen, können sich in diesen Organsystemen ebenfalls «Wirkungen» zeigen. Dies sind die unangenehmen Nebenwirkungen wie beispielsweise Haarausfall, Hautprobleme, Entzündungen im Mundbereich, Durchfälle oder Verstopfung, Schwächung des Immunsystems durch Abnahme der weissen (Leukozyten) und roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) etc. Eine weitere Nebenwirkung der Taxane ist die Entzündung der Nervenleitbahnen, die unter anderem zu Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl in Händen und Füssen sowie Nagelveränderungen führen kann.

Wirkung und Nebenwirkung der Platinverbindungen

Die Platinverbindung Carboplatin wirkt dadurch, dass sie die DNA-Moleküle in den Krebszellen vernetzt und somit funktionsunfähig macht. Der Zellstoffwechsel wird infolgedessen behindert und die Zelle stirbt ab. Die Nebenwirkungen von Carboplatin sind vergleichsweise gering: Es kann zu einer Unterdrückung der weissen Blutkörperchen sowie zu Müdigkeit kommen.

Das Nebenwirkungsmanagement

«Welche dieser Nebenwirkungen wann und in welcher Stärke auftreten, hängt von der Dosierung und der individuellen Empfindlichkeit ab», so Professor Günthert. Die gesunden Zellen erholen sich normalerweise nach einiger Zeit; die Nebenwirkungen sind also nur vorübergehend und können mit verschiedenen Medikamenten, sogenannten Supportiva, gelindert werden. Meist erhalten die Patientinnen daher vorbeugend – vor und unmittelbar nach der Verabreichung der Chemotherapeutika – entsprechende Medikamente, vor allem gegen die Übelkeit. Weitere Begleitmedikation kann sein: Kortisonpräparate, Antibiotika, Schmerzmittel, Mundspülungen, Antimykotika gegen Pilzbefall und Mittel zur Anregung der Bildung weisser Blutkörperchen.

Karin Storz
freie Journalistin
02.07.2014