Manche Symptome haben auch etwas Gutes, weil sie ein Alarmzeichen sein können.Doch für Bauchwasser, dessen Ursache häufig auch Eierstockkrebs sein kann, gilt das nicht wirklich. Denn meist sammeln sich grössere Mengen an Bauchwasser erst an, wenn der Krebs schon in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Er kann dann nur noch selten geheilt werden. Immerhin lässt sich das Bauchwassermeist gut und einfach behandeln. Doch eines schon an dieser Stelle: Aszites kann viele Ursachen haben, nicht immer handelt es sich dabei um eine Folge von Eierstockkrebs; die häufigste Ursache von Bauchwasser ist Leberzirrhose. Aber in rund zehn Prozent aller Aszites-Fälle steckt eben doch eine Krebserkrankung dahinter.

Plötzlich grösserer Bauchumfang

Was kann auf Bauchwasser hindeuten? „Die meisten Patientinnen bemerken ihr Bauchwasser gar nicht durch Schmerzen oder ähnliche Symptome. Sie stellen einfach nur fest, dass sie ungewöhnlich schnell an Bauchumfang gewinnen und der Gürtel nicht mehr passt“, erklärt Prof. Dr. Mamot. „Es können sich relativ schnell mal drei oder mehr Liter Bauchwasser angesammelt haben. Das kann in wenigen Wochen passieren oder, wenn es langsamer geht, sich auch über Monate entwickeln.“Kleinere Mengen der Flüssigkeit können sich auch bilden, wenn der Eierstockkrebs noch in einem frühen Stadium ist.

Rund ein Drittel aller Frauen mit Eierstockkrebs leiden früher oder später auch an Bauchwasser, schätzt der Experte. Noch mehr seien es, wenn man jene Patientinnen hinzuzähle, die gar nichts bemerken und bei denen erst bildgebende Verfahren zu dieser Diagnose führen. „ Das Ovarialkarzinom mit Aussaat im Bauchraum ist ein Tumor, der ganz prädestiniert für Bauchwasser ist“, fasst Prof. Dr. Mamot es zusammen.

Darm: „Gefangen im Wasser“

Bauchwasser als solches ist etwas ganz Normales – es wird vom Bauchfell und den Bauchorganen produziert und dann über die Lymphbahnen in das Blut geleitet. Genau dieser Prozess wird gestört, wenn sich Tumorzellen im Bauchfell gebildet haben. Die Folge: Abhängig von der Menge der Flüssigkeit, kann es schlichtweg im Bauchraum eng werden. Das Wasser drückt dann auf die Organe. Und genau so kann es sich auch anfühlen: „Die Patientinnen können einen Druck zum Beispiel im Bereich der Lunge spüren. Dann kann es zu Atemnot kommen“, so der Onkologe. Andere Symptome können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Verstopfungen, ein Völlegefühl oder andere Verdauungsprobleme sein. „Der Darm kann förmlich im Wasser gefangen sein“, beschreibt Prof. Dr. Mamot es bildlich. Manchmal kann ein Ernährungsberater mit ein paar Tipps bei den Verdauungsproblemen helfen – am Bauchwasser selbst und seiner Ursache ändert das leider nichts.

Oft erst im Ultraschall erkennbar

Diagnostiziert wird diese Erkrankung durch Abtasten des Bauches und bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Computertomografie. Oft wird das Bauchwasser überhaupt erst durch bildgebende Verfahren erkannt. In der Regel zeigt eine Punktion und anschliessende Untersuchung des Bauchwassersunter dem Mikroskop, ob Krebszellen in der Flüssigkeit sind.

Nicht immer ist der ursprüngliche Tumor mit bildgebenden Verfahren erkennbar. „Gerade diese Tumoren können auch von diffusen Tumorzellen im Bauchraum entstehen“, so Prof. Dr. Mamot. Dennoch können Pathologen die Krebszellen auch in diesen Situationen gut charakterisieren, was für die Wahl der Therapie wichtig ist. „Diese Zuordnung der Tumorzellen könne z.B. über eine Färbung mitAntikörpern geschehen“, so der Chefarzt der Onkologie des Kantonsspitals Aarau.

Therapie der Aszites

Meist ist die Therapie des Bauchwassers einfach. Vor allem natürlich, wenn sich noch nicht sehr viel davon gesammelt hat, wie es in frühen Stadien des Eierstockkrebses der Fall sein kann. Falls bereits viel Aszites vorliegt,zieht man die Flüssigkeit durch das Punktieren aus dem Bauchraum.Bei der medikamentösen Therapie des Eierstockkrebses wird häufig eine Chemotherapie in Kombination mit dem Wirkstoff Bevacizumab, ein sogenannter Angiogenese-Hemmer, eingesetzt. Wenn diese Therapie wirkt und die Tumorzellen zurückgehen, dann verringert sich meist auch das Bauchwasser bis keine überschüssige Flüssigkeit mehr vorhanden ist.

„Eigentlich sollte die Punktion also nur eine überbrückende Massnahme sein“, erklärt Prof. Dr. Mamot. Häufig bleibe es auch bei wenigen Punktionen. „Natürlich handelt es sich bei dem Antikörper Bevacizumab um kein Wundermittel. Aber man weiss eben, dass er auch eine positive Wirkung auf die Wasserproduktion haben kann. Das Wasser füllt sich häufig nicht wieder so schnell auf, dass immer wieder punktiert werden müsste“, erklärt Prof. Dr. Mamot. Nur wenn all dies nichts hilft, kann in diesen Fällen ein Drainage-System angelegt werden.

Dr. Kai Kaufmann
Freier Journalist